Logo-BSA

Saline »Allendorf an der Werra«
«Fürsten-Soth»

T e i l - I

Vorwort:
Wir möchten das Thema für unser Online-Angebot übersichtlich und möglichst chronologisch darstellen.
Uns ist bewusst, dass es chronologisch leider nur lückenhafte Daten sind; ob es immer Fakten sind - müssen wir z.Zt. manchmal unbeantwortet lassen. Manches wurde seit Jahren kontrovers debattiert und viele Fakten schlummern noch unentdeckt im Verborgenen, bis sie dann wirklich verloren sind; es sei denn, es kommt durch etwas ans Licht. Das von früher bekannte Generationsproblem, speziell der mündlicher Weitergabe, gilt spätestens seit der letzten Jahrtausendwende, durch andere Medien, als überholt (s.a. Schlussbemerkung).
Zu berücksichtigen ist ferner, dass städtisches Archivmaterial aus der Zeit vor dem Jahre 1637 (Stadtbrand) weitgehend vernichtet wurde.
Für den immer wieder in Verbindung mit einem Salzwerk/Saline, auftauchenden Begriff Salzgräfe, Salzgräve, Salzgrebe [4] haben wir uns der Einheitlichkeit wegen und weil Salzgrebe im hiesigen Salinenumfeld geläufig war auf Salzgrebe festgelegt.

Unser Versuch der Zusammenstellung basiert auf diversen Unterlagen, vor allem die Jahreszahlen betreffend, wie sie auch von der "Stadt Bad Sooden-Allendorf" bzw. des jeweiligen Kurbetriebes in unterschiedlicher Verantwortlichkeit ab dem Jahre 1976 in diversen Publikationen für Kurgäste und Besucher vor Ort, und in Prospekten für die Öffentlichkeit in Umlauf gebracht wurden.
Einige Daten, siehe dazu den Autorenhinweis, stammen aus fremden Quellenmaterial und sind im Fliesstext extra gekennzeichnet. Bedauerlich ist, dass von altersher und über Generationen hinweg in unserer Stadt selbst (vermutlich) nur lose und lückenhaft archiviert wurde. Ohne den Anstoss und Druck von "oben", würde es die Salzbibel vermutlich auch nicht geben.

Wie bitten um Verständnis, dass diese Abhandlung, aufgrund neuer Erkenntnisse, gelegentlich noch überarbeitet wird.

Bekanntes, oder mehr Unbekanntes vom Salz ganz allgemein,
als Ergänzung zum Thema.

Salzsack

Sole - Salinenbetrieb - Salz

Das Foto zeigt Salzsäckchen mit Siedesalz aus BSA, wie es seit 1976 beim Schausieden nach dem Motto »Pfannensieden wie zu alter Zeit« gewonnen wird.

Sole und Salz - Gott erhalt's

In allen früheren Jahren hatte dieser Ausspruch eine ganz andere Bedeutung, einen völlig anderen Hintergrund als heute.

Salz war knapp, teuer und nur mühevoll zu sieden. Nur mit Salz konnte damals die Nahrung wirklich schmackhaft gemacht werden. Ausserdem und wichtigster Punkt, es war alleiniges Mittel um Fleisch, Fisch und Krautarten haltbar zu konservieren. Für Zeiten einer Missernte oder in "Theurer Zeit" war es lebensnotwendig Vorräte zu haben. Ohne Salz gab es auch keine Vorratswirtschaft!

Heute sind für uns die Worte Sole und Salz gleichbedeutend mit

Gesundheit und Ernährung

TOP

Doch nun zur Geschichte der "Saline Allendorf an der Werra"

Anfänge

Ab Anfang des 1. Jahrhunderts

... wie es auch war - sehen wir uns die fortschreitende Entwicklung bis zum Ende des 16. Jahrhunderts an. Eine sehr lange Zeit!

Wenn es denn der Anfang ist, so werden bereits im Jahre 58 nach Christi in Hessen/Thüringen Salzquellen an einem Grenzfluss erwähnt.
Das lässt allerdings nicht schlussfolgern, dass damit "nur" das Gebiet des heutigen Bad Sooden-Allendorf gemeint war. Im Einzugsgebiet der Werra gibt es noch andere Orte die mit "Salz" in Verbindung gebracht wurden; die Saline Salzhausen gehörte zu dieser Zeit dazu, hatte aber zur selben zeit noch nicht die Bedeutung wie das Salzwerk (Saline) in Allendorf an der Werra.

[X] ... Sicher reicht die Salzgewinnung aber noch viel weiter zurück, möglicherweise sogar bis in die heidnische Vorzeit. Der von Tacitus, Annalen lib. XIII erwähnte Salzbrunnen, um dessen Besitz sich Chatten mit den Hermunduren stritten, soll der Brunnen im heutigen Ortsteil Sooden gewesen sein. Wenn auch die Urgeschichte der Saline noch zweifelhaft ist, so haben wir doch von 1300 ab genauere Daten über ihre Verhältnisse.

Aus einer Urkunde, welche sich auf die Zeit zwischen 776 und 779 bezieht geht hervor, dass der Frankenkönig Karl der Grosse, dem Kloster Fulda mit dem Ort "Westera" und dem Westerberge auch Salzquellen und Salzpfannen, hörige Salzarbeiter sowie Markt, Tribut und Zoll geschenkt habe, dass von einigen Höfen und Hörigen Abgaben zu leisten seien, und wöchentlich ein Karren Salz an das Kloster zu liefern sei.

Ergänzend hier der Hinweis, dass eines der ersten deutschen Salinenstädtchen um 850 Werl/Westfalen war. Eine spätere Saline hatte den Namen "Höppe".

Am Westrand von Sooden soll das Salzwerk bis zum Ende des 11.Jahrhunderts durch eine Schutzburg bewacht worden sein.

Überliefert ist, dass bereits um die Jahrhundertwende 1200/1300 die als wohlhabend und gemessen an der damaligen Zeit auch als reich geltenden Pfänner [5] nicht nur das Leben innerhalb des Salzwerkes bestimmten.

[X] Bereits vom ersten Landgrafen von Hessen, Heinrich I., ist eine Verordnung über das Salzwerk zu Sooden ergangen. Diese am 1. Mai 1300 erlassene Urkunde ist zugleich die erste bergrechtliche Verfügung eines hessischen Landesherrn. Von Wichtigkeit ist, dass zu dieser Zeit schon das Salzregal [1] für den Fürsten in Anspruch genommen wurde.

Es vergingen nun etwa zwei Jahrhunderte.
Der Autor hat, bis heute, über diesen und sicher wichtigen geschichtlichen Zeitraum nicht einmal annähernde Eckdaten, die etwas aussagen.

Soleschoepfen

Mit diesem Bild, es zeigt die Situation zum Ende des 15. Jahrhunderts, sind nun erste Aufzeichnungen vorhanden.

Mit menschlicher Muskelkraft die einfache Kolbenpumpen bediente, wurde die aus etwa 7m Tiefe geförderte Sole in eine offene Ringleitung gepumpt von wo aus sie, wie im Bild deutlich zu sehen ist, über zwei Rinnen zu den damals 42 Siedehütten lief. (Foto: Stadtarchiv BSA)

Im Zeitraum zwischen 1489 und 1491 wurde der "Neue Salzborn" gefasst und der Solgraben "zur Ableitung der wilden Wasser aus dem Salzbrunnen" ausgehoben. Nun konnte Werrawasser genutzt werden.
Es wurden vier (4) Wasserräder, mit einen Durchmesser von sieben (7) Metern, gebaut. Sie konnten nun längerfristig und gelegentlich verbessert, die Energieversorgung der Saline sicherstellen. Als Baumaterial kam nur das widerstandsfähige Eichenholz in Frage.

Um dem Rückstau bei Werrahochwasser entgegenzuwirken, war der Solgraben durch Dämme geschützt und mündete erst kurz vor dem Ort Ellershausen wieder in die Werra.
Der Solgraben hatte im Bereich der Saline, quasi als Bypass einen weiteren Wassergraben. In diesem sogenannten Kunstgraben (s.a. Kunsthaus, Kunstwärter) stand ebenfalls eines dieser grossen Wasserräder, überdacht von einem Radhaus.

Das Problem der durch Süsswasser, aus den vielen kleinen Quellen, verdünnten Sole bekam man auch nach und nach unter Kontrolle. Es stand weitgehend eine Rohsole mit 5 Prozent Salzgehalt zur Verfügung.

Wichtigster Grund einer jeden Gradierung ist ja, dass das Sieden mit einer stärkeren Solekonzentration beginnen kann. Die Sole wurde im Laufe der folgenden Jahrhunderte, ausgehend von der geförderten Rohsole zu Mittelsole, dann mit dem angestrebten Mass des "Siedeloths" (Salzgehalt 22 Prozent) zu Gutsole gradiert. Bis dahin war es ein weiter Weg. An anderer Stelle mehr dazu.

[X] Die Saline gehörte von jeher einer Anzahl von Bürgern zu Allendorf die in den Urkunden als eine "Gebauerschaft" bezeichnet werden. Es war dies eine privilegierte Gewerkschaft, deren Mitgliedschaft nur durch Erbgang bzw. Einheirat übertragen und erworben werden konnte. In den verschiedenen Urkunden finden wir sie unter verschiedenen Namen, wie Geburschaft, Söder, Pfänner u.a.m.

Die Privilegien der Pfänner zu Sooden, die ihnen schon von Heinrich I. 1300 bestätigt wurden, waren im wesentlichen folgende:
Der Salzbrunnen zu Sooden stand zu ihrer ausschliesslichen Benutzung. In 42 Koten hatten sie das Recht, die Sole zu versieden. Jeder Wettbewerb auf eine Meile Umkreis war verboten. Die niedere Gerichtsbarkeit ihren eigenen Leuten gegenüber, die Ernennung der "Schöffer und Kirchenvorsteher zu Sooden" war ihnen gleichfalls überlassen usw.
Dafür waren die Pfänner verpflichtet, jährlich 2 Pfannen Salz dem Hoflager zu liefern, ferner mussten ausser Geschossgeld dem Landesherrn 200 Gulden jährlich gezahlt werden. Der Landgraf Wilhelm II., Philipps Vater, hatte zwei er noch bei der Erbhuldigung 1488 eine einmalige Zahlung von 3000 Gulden verlangt und nach deren Entrichtung den Pfännern die alten Privilegien, wie schon seine Vorgänger, bestätigt.

Auch die bis zur Mündigkeit Philipps eingesetzte Vormundschaftsregierung bestätigte 1511 der Gebauerschaft zu Sooden die hergebrachten Rechte. Nach Übernahme der Regierung durch Philipp versäumten die Pfänner, sich auch von dem neuen Landesherrn ihre Privilegien sanktionieren zu lassen.
Hierdurch sowie durch äussere Umstände veranlasst, entstand ein langjähriger Rechtsstreit zwischen dem Landesherrn und der Pfännerschaft, der sicher schon 1530 angefangen hatte. Wesentlich beigetragen zum Ausbruch jener Streitigkeiten hatte wohl die Absicht des Landgrafen, ein ebenso wichtiges wie einträgliches Unternehmen, wie die Sodener Saline, nicht in dem alleinigen Besitz einer Privatgesellschaft zu lassen.

Es war im Jahre 1538 als Landgraf Philipp [7] für sich das Recht erwirkte, zu den bereits 42 vorhandenen Koten der Pfänner 40 weitere Siedekote für sich zu errichten.
LG-Philipp Foto: Uni-Marburg Damit wurde ein neues »Fürsten-Soth« geschaffen mit weitreichenden Nachteilen für die Bewohner von Allendorf und denen im neuen Fürsten-Soth.
Fürstliche Beamte, 39 Siedemeister mit Anhang kamen neu nach Fürsten-Soth. Die Folge der neuen Situation war, dass Landgraf Philipp sich gezwungen sah eine Art von "Standrecht mit Ausgehverbot" zu erlassen. Kein Bewohner aus Fürsten-Soth durfte die Nacht in Allendorf verbringen und kein Bürger aus Allendorf durfte im Salinenbereich des Fürsten-Soth übernachten. In diesem Zusammenhang noch erwähnenswert, dass Philipp sich auf die "Goldene Bulle" berief und somit das "Salzregal" habe.

[X] Die Goldene Bulle:
In der Goldenen Bulle (1356) Kap. IX wird den Kurfürsten das Bergregal auf Metalle, Erze und Salzquellen übertragen. unter Ausschluss des Grundeigentümers, mit den Worten; "Universas auri et argenti fodinas atque mineras stanni, cupri, ferri, plumbi at alterius cujusque metalli ac etiam salis tam inventas, quam invendias".
Dieses ursprünglich nur den Kurfürsten zugestandene Recht konnte zu Philipps Zeiten auch der Landgraf von Hessen wohl für sich in Anspruch nehmen.

Goldene BulleGoldene BulleEinige Anmerkungen dazu, weil die Saline »Allendorf an der Werra« ja direkt davon betroffen war:
In Jahre 2006 waren 650 Jahre vergangen (1356-2006), seit dieser 86-seitige Grundgesetzestext des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Spätmittelalter (1250-1500) vom Kaiser Karl IV. besiegelt wurde. Die ersten 23 Kapitel dieses Gesetzeswerkes wurden am 10. Jan. 1356 auf dem Nürnberger Reichstag bekannt gegeben. S.a. unter [2] Einige Infos zum Goldsiegel unter [3]

Ein wichtiger Abschnitt unter den Landgrafen Philipp und Wilhelm (16.Jahrhundert) begann, als das Salzwerk durch mehrere Verträge, sogenannte Lokationen, in fürstliche Verwaltung und staatliche Nutzniessung kam.
Mit dem Abschluss der 1. Lokation, am 23. Dezember 1540, erzwang Landgraf Philipp eine Beruhigung der zwei Jahre zuvor (1538) geschaffenen sozialen Spannungen, indem er alle Siedestätten der Pfännerschaft in Pacht nahm.

[X] Für die Einhaltung der Lokation verpflichteten sich den Pfännern gegenüber 25 Edelleute und 25 Städte. Etwaige Streitigkeiten sollte eine deutsche Universität entscheiden.

Durch rechtsverbindliche Verträge zahlte er den Pfännern als Ausgleich eine jährliche Rente, wie es der folgenden Text aussagt.

[X] Von Ostern 1541 ab verpachten die Pfänner ihre 44 Koten an Landgraf Philipp mit den zugehörenden Wäldern (etwa 400 ha) auf 15 Jahre. Den Pfännern wird dafür jedes Kot eine jährliche "Pension" von 200 Kammergulden, zu je 26 Albus, gezahlt, wovon aber 200 Gulden für die Bewilligung der neuen Koten abgehen. Weiter wird den Pfännern jährliche eine beträchtliche Menge Salz unter dem Namen "Hernn Gense" frei abgegeben.
Aus Akten über später entstandene Streitigkeiten geht hervor, dass diese Herrn Gense rund 730 Zentner Salz hielten; die jährliche Pension der Pfänner belief sich dabei auf 8000 Gulden. Im Jahre 1899 erreichte sie die Summe von 38242 M.

Es war auch im Jahre 1540 (1. Lokation) als Pferdekraft die menschliche Muskelkraft ablöste. Um die Sole hoch zu pumpen, zogen die sogenannten Brunnenpferde (sechs im Wechsel), als Antrieb zum Pumpen einen Schwengel um den Salzbrunnen. Diese Art der Förderung wurde fortan Ross-Kunst genannt.

Johann Thölde de Grebendorf,

und das Wirken seiner Familie im Umfeld der Saline Allendorf an der Werra (teilweise zeitüberlappend mit dem Wirken des Mag. J. Rhenanus)

[XX] Ein Sammler chemischen Wissens des späten Mittelalters und der Renaissance. Mit Wissen über Sole und Salz bis hin zur Alchimie. Geboren wurde er um das Jahr 1565 in Grebendorf bei Eschwege. Die Familie Thölde war über drei Generation direkt oder indirekt mit der Saline Allendorf an der Werra verbunden.
Der Grossvater, Valentin Thölde, wurde 1551 durch den Landgrafen von Hessen-Kassel zum Salzgreben im Salzwerk bei Allendorf ernannt; er starb im Jahre 1559. Sein Vater, Sebastian Thölde, sass im Pfannerausschuss und hatte Anteile an der Saline. Dieser verstarb im Jahre 1603 und wurde in Allendorf begraben. Die Familie Thölde war zeitweilig auch Holzlieferant (Wälder bei Grebendorf) für die Saline Allendorf a.d. Werra.
Johannes und sein Bruder, Otto Thölde, arbeiteten beide, etwa zwischen 1595 und 1599 in der Saline Allendorf a.d. Werra. Sie wollten technische Verbesserungen zur Salzgewinnung erproben.
Das Jahr des Todes von Johann Thölde, soll zwischen Ende 1612 und Ende 1614 liegen.

Johannes Thölde schrieb sein bedeutendes Werk um das Jahr 1603. Sein Salzlehrbuch, die Halliographia, wurde über die Jahrhunderte hinweg ein gültiges Standardwerk im Salinenwesen. Die Saline Allendorf an der Werra fand mit ihrer Arbeitsumgebung ebenfalls Erwähnung.

J. Thölde beschreibt in diesem Werk über die Saline Allendorf a.d. Werra u.a. (was hier wohl so nicht bekannt ist) folgendes: Als kristallisationsförderndes Mittel wurde der soggenden Sole zuweilen Russ beigemischt, anschliessend mit Eidotter wieder ausgewaschen und als Schaum wieder abgeschöpft. Wurde die Sole dick, zog man ein Tuch darüber, damit sie ungestört erkalten und auskristallisieren konnte.
Anschliessend wurden dicke Salzbrocken zum Abtropfen in Körbe geschaufelt.

Anmerkung des Autors: wie das "Auswaschen" mit Eidotter geschah, ist noch unklar und bedarf (wenn überhaupt möglich) noch der Klärung.

Zur Vervollständigung <zitat>:
Johann Thölde, ein Chemikus und Physikus aus Hessen, war Raths-Cämmerer zu Frankershausen in Thüringen, und das dasigen Saltzwerks Pfannherr, florierte sonderlich zwischen 1600 und 1614.</zitat>

Warum "die Familie Thölde", die ja in drei Generationen mit dem Salzwerk verbunden war, neben J. Rhenanus, fast in Vergessenheit geriet ist unklar.
Nicht nur wegen des Salzlehrbuches "Haliographia", sollten die Namen Valentin, Sebastian und Johann Thölde ein Grund sein, sie neben dem Namen Johannes Rhenanus in Bad Sooden-Allendorf nicht zu vergessen.

Die bereits im Jahre 1540 geschaffene Entspannung wurde vorzeitig durch den Abschluss der 2. Lokation,
[X] am 29. April 1554 auf 30 weitere Jahre "prorogirt und erstreckt".
Diese 2. Lokation, überlebte Philipp nicht mehr. Schon lange vor seinem Tode hatte er seinem ältesten Sohne, Wilhelm, die Oberaufsicht über die Saline übertragen.

soederwappenWappen1554 war es, als Landgraf Philipp der Saline Allendorf an der Werra, ab dem Jahre 1538 bereits das "Fürsten Soth", als sichtbares Zeichen ein Wappen verlieh. Abbildung nebenan und im hiesigen Umfeld allgemein bekannt.
Zum Bezug auf die heutige Zeit wird selbst von Einheimischen die im Wappen genannte Jahreszahl oft falsch gedeutet; i.d.Regel als waagerecht gespiegelte Neun (9). Wie Sie bereits dem Text entnehmen konnten, ist es ein Vier (4), und man spricht auch von einer halbierte Acht (8); das einmal zur Klarstellung.
Und weil für Bad Sooden-Allendorf ebenfalls von Bedeutung, auch noch die Erklärung der dargestellten Werkzeuge: es sind Berlaff und Pfannhaken, in der vergrösserten Abbildung hervorgehoben.

Magister, Pfarrherr und Salzgrebe Johannes Rhenanus

Im Jahre der 2. Lokation, 1554, hat Landgraf Philipp den Magister Johannes Rhenanus zur technischen Verbesserung des Salzwerkes gewonnen. Ein Jahr später, im Jahre 1555, wurde er in der Kirche St. Marien (Ortsteil Sooden) in sein Amt als Pfarrer eingeführt.
Zuvor, es sind die Jahreszahlen 1555 und 1560 diffus im Umlauf, hatte er durch Zufall einige leicht glänzende Kohlestückchen [6] im Gebiet des "Hohen Meissner" gefunden.

Es war auch das Jahr, in dem Landgraf Philipp der Saline Allendorf an der Werra das sogenannte Söder Wappen verlieh.

Brennmaterial zur Feuerung

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Brennholzbedarf im Salzwerk immer grösser. Als im Gebiet des "Hohen Meissner" Kohle entdeckt wurde, begannen sukzessive über Jahre hinweg Versuche, dieses als Brennmaterial zu nutzen. Langfristig sollte sich die Befeuerung unter den Siedepfannen von Holz über Glanzkohle zu Braunkohle ändern.
Es war ja J. Rhenanus, der an einer Quelle im südöstlichen Hangbereich des Meissner "einige Glanzkohlestückchen" gefunden hat. Es soll dort gewesen sein, wo später die Bergarbeitersiedlung "Schwalbental" gebaut wurde. Heute existiert noch das als Schwalbental bekannt Gebäude.

Bereits im Jahr der Amtseinführung, des Mag. J. Rhenanus, sollen erste Versuche mit dieser Braunkohle als Brennmaterial begonnen haben.

Andererseits:
[X] Der erste Versuch mit Kohlenfeuerung soll 1560 angestellt worden sein mit Kohlen von Lüttich.

Ab 1575 wurde mit der Teufung eines Schachtes begonnen und aus den ersten Flözen konnte die Hartbraunkohle (Glanzkohle) im Jahre 1578 gefördert und als Brennmaterial genutzt werden. Es dauerte noch etwa zwei (2) Jahrhunderte, bis auch neben Holz und Glanzkohle nun allein mit der Braunkohle vom Hohen Meissner, Salz in Salzwerk des Fürsten-Soth gesiedet werden konnte.

Aber auch:
[X] Von 1579 an wurden die Braunkohlen vom Meissner verwendet, die noch unter Philipps Regierung 1555 entdeckt worden waren.

Bei aller Unklarheit des Zusammenhanges der Jahreszahlen zwischen 1555 bis 1579 (betrachten wir die Daten grosszügig bis ggf. exakte Fakten auftauchen), dieses Salzwerk war die erste technische Anlage, in der (Glanz) Braun-Kohle die Holzfeuerung nach und nach ablöste.
Auch hier liegen keine exakten Geschichtszahlen vor, es werden unterschiedliche Jahreszahlen (1 bis 5 Jahre) veröffentlicht. Wir können also nicht genau sein!

KohleabbauDas Bild zeigt den mit Wasser gefüllten See (Restloch), wie er nach dem Braunkohleabbau und der Zeit danach, entstanden ist. Das Foto ist von 1976.
Aus heutiger Sicht, es stehen stadt- und länderübergreifend mehr Informationen zur Verfügung als noch vor fast fünf Jahrhunderten, wird nicht bestritten, dass die "Saline Allendorf an der Werra" damit wegweisend in ganz Mitteleuropa war.

In diesen Zeitraum fällt auch, dass eben dieser evangelische Pfarrherr und Salzgrebe Mag. Johannes Rhenanus im Jahre 1568 damit begann alles Wissenswerte über das Salzwerk in Bücher zu schreiben. Es sollte etwas Schriftliches vorhanden sein, das an die kommenden Geschlechter weitergegeben werden konnte. Den Auftrag (Befehl) dazu, erhielt er vom Landgrafen.

[X] Dieses Werk unter dem Namen die "Salzbibel" bekannt, enthält in einer Handschrift von 2100 Seiten (zweibändig) alles Wissenswerte über Soden und andere Salinen etwa bis zum Jahre 1589, dem Todesjahr des Verfassers. Das Werk wurde also erst nach dem Tode von Philipps des Grossmütigen (1567) beendet.
Eine Anzahl Kunstrisse, Urkunden usw. ergänzen die sachlichen Mitteilungen des bemerkenswerten Werkes.

Dass tatsächlich Landgraf Philipp die Anregung zur Abfassung der Salzbibel gegeben hat, geht aus einem Briefe des Landgrafen Wilhelm an den Salzgrafen und Mitarbeiter an der Salzbibel Christoph Homberg hervor.
Kurz vor dem Hinscheiden Philipps 1567 fordert Wilhelm den Salzgrafen Homberg auf dem Pfarrherrn Rhenanus "beyräthig zu seyn bei der Abfassung des Salzbuches"; u.a. heisst es in dem Briefe: "... Als Unser Herr Vatter und auch Wir vor guth angesehen, dass mann den Ursprung desselben (nämlich des Salzwerkes) sampt allen darin ervolgten Vertregen, Ordnungen, Locationen und Pertinentien in ein ordentlich Erbbuch propter perpetuam rej memoriam pringen unnd richten solle" usw.

Anmerkung für diesen Zeitraum und in Verbindung zum Salzgreben Rhenanus:

[X] Gelegentlich einer Instruktionsreise 1568 sah der genannte Salzgrebe Rhenanus das erste Gradier- oder Leckwerk zu Sulza, wie er selbst in der Salzbibel angibt. Die bisher vielfach vertretene Ansicht, dass Nauheim als erste Saline die Gradierung eingeführt habe, nämlich 1579, ist danach als irrtümlich zu berichtigen.

Auf diesen Mann, Pfarrherr Rhenanus, geht auch das Dankesfest für Sole und Salz zurück. Dieses Dankesfest, unser Brunnenfest, wird heute noch mit der Salzpredigt jedes Jahr zu Pfingsten gefeiert.

SalzbibelDie Abbildung zeigt das "Neue Salzbuch", wie Mag. J. Rhenanus es nannte; allgemein als "Salzbibel" bekannt.
Obwohl sehr kostbar, ist die Salzbibel in unserem Salzmuseum an exponierter Stelle zu besichtigen. Leider wird es vorerst (aus rechtlichen Gründen) nicht möglich sein, einige Textausschnitte des Faksimile-Werkes hier zu zeigen.
Speziell diese Salzbibel ist es, die den Namen Johannes Rhenanus untrennbar mit Bad Sooden-Allendorf verbindet.

Zitieren können wir aber z.B. (mit Vorbehalt auf Authentizität) die dort geschriebenen Anweisungen zum Dankesfest:

»... So wollen wir demnach Gott zu Lobe und zu ehren, auch zur Erklärung unserer Dankbarkeit gegen Gott hiermit beständlich gesetzt, geordnet und bestätigt haben, dass alle Jahre und eines jeden Jahres besonders ein christlich Bet- Lob- und Dankesfest auf Pfingsten soll gehalten werden.
Auf desselbigen Tages sollen beide, unser und der Pfänner Salzgreben, Beamte, Befehlshaber und Diener folgen, alles, was vermögend, was vermöglich ist, jung und alt von Pfännern und Södern mit besonderer Demut und Andacht in Sooden in die Kirche befügen, etliche christliche Lob- und Dankpsalmen singen und darauf eine christliche Vermahnung und Predigt anhören, darinnen in genere alle Gaben Gottes und in specie die besonderen Gaben des Salzbrunnens gerühmt und gepriesen werden.
Nach der Predigt soll jedermann mit besonderem Fleiss und Ernst sich mit rechter Andacht zum Gebet begeben, die Litanei gesungen, mit einem besonderem Gebet beschlossen, der Segen gesprochen, Almosen gegeben und die ganze Gemeinde dimittieret werden und soll dieses Fest ein ewiges in diesem Salzwerk sein und bleiben.«

Der "Abschluss der Ewigen Lokation" ist der 3. und bekannteste Vertrag der als Lokation abgeschlossen wurde. Dieser so wichtige Vertrag wurde am 03. Mai 1586 unterzeichnet und mit 53 Siegeln manifestiert. Es entstand kurz darauf eine der fortschrittlichsten Anlagen zur Salzgewinnung in ganz Deutschland.

Bekannt ist wohl nur in Fachkreisen, dass gerade Bad Sooden-Allendorf eine sehr interessante Entwicklung in der Salinengeschichte vorweisen kann.
Das Vorhandensein von vielen kleinen Solequellen, dazu die Nachbarschaft von Süsswasserquellen, machte eine aufwändige Brunnenunterhaltung nötig. Es war ein erhöhter Brennstoffbedarf nötig, der sehr kostenintensiv war, um die durch das eindringende Süsswasser verdünnte Sole zu sieden.

Noch um das Jahr 1600 dauerte ein Siedevorgang sechzehn (16) und auch mehr Stunden. Je Siedekot waren damit fünf Personen beschäftigt: und zwar der Siedemeister mit seinem Salzknecht, ein Siedeknecht und zwei Frauen aus der Familie des Siedekot-Betreibers.

Ergänzend zum Siedevorgang noch ein Hinweis zur Salzreinigung beim Sieden, wie es z.B. in Halle/Saale gemacht wurde:
In die heiss aufwallende Sole wurde eine bestimmte Menge Ochsenblut gegossen. Dadurch bildete sich mit den Verunreinigungen in der Sole Schaum der abgeschöpft wurde. Durch dieses Verfahren konnte die Salzqualität weiter verbessert werden. Ob Verfahren zur Salzreinigung in der Saline Allendorf an der Werra bzw. Fürsten-Soth auch gemacht wurde ist nicht bekannt. Verunreinigungen die auf der Oberfläche schwammen, mussten jedoch ebenfalls sorgfältig abgeschöpft werden. Bei der späteren Industrialisierung mit den immer grösseren Siedepfannen wäre die Beschaffung grosser Mengen von Ochsenblut sicher zum Problem geworden.

TOP

Blütezeit

Anfang 17. bis Ende 19. Jahrhundert

Der Begriff "Blütezeit" muss ohnehin relativ zur jeweiligen Zeitära gesehen werden und ist hier darum so weit gespannt.

Salzgewinnung

Über Jahrhunderte wurde die etwa 5-prozentige Sole einer Quelle im Kern der Sooden, das ist der alte Kurparkbereich, entnommen. Während anfangs die rohe Sole, mit dem Salzgehalt wie sie zu Tage trat, gesiedet wurde, begann ab 1601 das "Dröppeln" über die nach und nach gebauten Gradierwerke. Dieser Vorgang erfolgte bis zu sieben (7) mal über Strohbündel. Schwarzdorn wurde noch nicht verwendet.

Die Sole, in diesem Kreislauf der Sonneneinstrahlung und dem Wind ausgesetzt, konnte so bis auf das Siedeloth (22 Prozent) hochgradiert werden.
Das Sieden dieser gesättigten Sole ersparte grosse Mengen an Brennmaterial. Die Unterhaltung der ehemals 22 (14) Gradierwerke erforderte zwangsläufig einen enormen Aufwand, war aber notwendig geworden und machte sich letztlich auch bezahlt.

Nach der Einführung von vielen Verbesserungen beim Soleschöpfen, Gradieren und Sieden unter Jost Becker, Johannes Rhenanus, Christoph Homberg, später auch Waitz von Eschen und noch Anderen, zählte das Salzwerk Sooden (Fürsten-Soth) zeitweise zu den bedeutendsten Salinen in Deutschland.
Viele Neuerungen, die sich hier bewährt hatten, führten andere Salinen in Deutschland ebenfalls ein.

Solequellen - Soleförderung
Transport und Handel

Fuhrleute, Sälzer genannt, und Salzschiffer transportierten das "weisse Gold" in alle Richtungen. Dazu gehörten u.a. das Fränkische, Frankfurt, Darmstadt und Strassburg. Es wurde auch bis ins Thüringische und an den Rhein transportiert. Das Salz lagerte immer unter "schwerem Verschluss" in den Magazinen oder Salz-Faktoreien. Auf dem Wasserwege ging die Fracht bis nach Bremen.

SoedertorSalz als wertvolles Gut, lockte zwangsläufig auch Diebe und Schmuggler an. Irgendwann am Beginn des 17.Jahrhunderts wurde darum das Salzwerk mit einem Zaun umgeben und ein Gebäude hatte den einzigen Aus- und Eingang in die Saline.

Das heutige Haus mit dem "Södertor" (Foto von 1976), wurde im barocken Baustil im Jahre 1704 vom damaligen Landgrafen Carl zu Hessen neu aufgebaut. Wachpersonal war dort präsent und es gab auch eine Gefängniszelle im Hauskomplex.
Wie andere Häuser auch, war das alte Holzgebäude während des 30-jährigen Krieges niedergebrannt worden.
Das Södertor ist als "das" Wahrzeichen vermutlich das meist fotografierte Objekt im Ortsteil Sooden.

WappenDas Wappen (nebenstehendes Bild) des Landgrafen von Carl zu Hessen und seiner Gemahlin Maria Amalia wird weniger beachtet.
Die zu sehenden Initialen: CLZH steht für Carl Landgraf zu Hessen und MALZH steht für Maria Amalia Landgräfin zu Hessen, um das der Vollständigkeit halber zu erwähnen.

Das Salinengelände war, wie bereits erwähnt, mit einem hohen Zaun umgeben und auch ein tiefer Graben wird vermutet; der Komplex hatte nur dieses eine "offizielle Loch", das Södertor. Alle Fuhrwerke mit Handelsgut und sonstige Waren mussten da hindurch. Wachpersonal kontrollierte, ob alle Abgaben geleistet waren.
Im Dachgeschoss diente eine Turmstube als Gefängniszelle um vorübergehend Gefangene unterzubringen; sogar eiserne Fussfesseln und sogenannte Handeisen lagen bereit.

Ein beliebter Trick war, das für den Handel bestimmte Salz durch Zugabe von Wasser etwas schwerer zu machen. "Salzfrevel" war dafür die Bezeichnung.
Zeitweise waren 350 Sälzer mit ihren Geschirren unterwegs. Diese stammten aus Allendorf und den umliegenden Dörfern; vorwiegend aber aus dem gesamten Meissner-Vorland.

Salzamt

Im Vordergrund des Bildes sehen Sie die historische Salzwaage. Die Waage ist am ebenfalls noch vorhandenen Steintisch (darunter) befestigt. Nach dem Wiegen und bezahlen von Zoll- und ggf. noch anderen Abgaben, stand der Weg, am Wachpersonal vorbei, nach draussen offen.

Wichtiges Handelsgut zum Tausch gegen das Salz, waren u.a. Franken- und Rheinweine. Die Salzträger und Salztreiber mit ihren bepackten Tragetieren sorgten auf unwegsamen Pfaden für eine geregelte Salzversorgung der Bevölkerung in den Handelsgebieten. Die pro Kopf-Salzzuteilung setzte der Landgraf fest.

Bereits ab dem Jahre 1733 kam eine technische Neuerung, "Wassermaschine" nannte man sie, zum Einsatz. An den Wasserrädern war exzentrisch eine Stange befestigt. Die Drehung des Rades wurde so in eine Zug- und Schubbewegung umgewandelt. Das dahinter angeordnete und erforderliche Stangen- Rohr- und Pumpensystem hatte eine verzweigte Ausdehnung von ca. 2000 Metern.

SchwarzdornImmer noch, etwas Besseres ist auch seit 1735 bei uns nicht bekannt, dröppelt oder tropft und verdunstet in den Gradierwerken die Sole über Schwarzdorn, auch Schlehdorn genannt.
Stroh war verfügbar. Das Bestreben, bei steigender Salzproduktion ein dauerhafteres Material als Stroh zu nutzen, lag also nahe. Jedenfalls hat der Schwarzdorn, er stand und steht immer noch zur Verfügung, eine feste Rinde die vor allem gegen Fäule resistent ist.

SchwarzdornDie Strohballen wurden nun generell durch Schwarzdornbündel ersetzt.
Der Vorgang des Neubefüllens mit Schwarzdorn, geschieht normalerweise abschnittweise und wird nach Bedarf vorgenommen. Es ist immer eine arbeitsintensive Massnahme. Das Foto bietet den Blick auf einen Abschnitt in welchem Schwarzdornbündel erneuert werden, es ist einige Jahrzehnte alt.

Schon im Jahre 1737 wurde erkannt wie vorteilhaft es sein kann, bereits gradierte Sole als Vorrat zu haben. Es wurde ein Reservoir angelegt und das hatte die Aufgabe, keine Engpässe bei der Soleversorgung der Siedekote entstehen zu lassen. Gleichzeitig war es wohl auch als Reservoir für die kalte Jahreszeit gedacht, weil dadurch in den Wintermonaten viel Brennmaterial gespart wurde.

Das Sole-Reservoir befand sich da, wo heute der Schwanenteich mit seinem Umfeld ist. Die hier vorrätig gehaltene Sole musste mindestens ein Siedeloth (Salzgehalt 22 Prozent) haben und war somit Gutsole.

Es wurde das Jahr 1740 als nach der langen Zeit von ca. 200 Jahren, die bisher praktizierte "Ross-Kunst" im Salzwerk nun Werrawasser zum Antrieb der Wasserräder und Pumpen zum Einsatz kam. Damit war der neue Begriff der "Wasser-Rolllunst" geschaffen.

In diese Zeit fällt auch der Beginn, die "Rohsole" zu "Mittelsole" und dann zu "Gutsole" zu gradieren.

Im Vorfeld dieser Jahre zur Mitte des 18.Jahrhunderts, taucht immer mal der Name des Mannes "Waitz von Eschen" auf. Er arbeitete stets daran den Salinenbetrieb zu rationalisieren. "Waitz von Eschen" bekleidete in den Jahren 1737 bis 1743 das Amt des Obersalzgreben.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts waren von den ehemals 88 (87) Siedehäusern (Koten) mit je einer Pfanne noch 44 Kote in Betrieb. Zuvor erwirtschafteten die 88 (87) Kote in guten Jahren bis zu 10.000 Tonnen Salz und verkauften es auch.
Aus Rationalisierungsgründen wurde dann 1816 C. A. Henschel beauftragt das erste grosse Siedekot gegenüber der unteren Weinreihe zu bauen. Viele der kleinen Siedekote konnten dadurch ersetzt werden. Die dort in Betrieb genommene Siede-Pfanne hatte eine Fläche von 110 qm. Zu dieser Zeit war das die grösste Pfanne in Deutschland.
Wegen der Erweiterung des Kurparkes musste dieses Kot zum Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen werden. Weit bekannt wurde die Fa. Henschel aber durch die Aktivitäten im Zusammenhang mit Eisenbahnen und deren Umfeld.

Der Hintergrund: Arbeiter, die keine Sieder waren, leisteten aber Schwerstarbeit im Schachtbetrieb. Es musste ja dafür gesorgt werden, dass das Wasser der umliegenden Süsswasserquellen nicht die Sole verdünnte. Diese Arbeiter sollten die aufgeheizte wohltuende Sole in einem Wannenzuber geniessen können. Im Laufe der Jahre wurde durch Beobachtung entdeckt, dass die zur Entspannung aufgeheizte Sole eine schmerzlindernde Wirkung auf Körperteile hatte.
Damit war bei uns die Sole, bisher nur als Salzlieferant bekannt, als Heilmittel entdeckt.

1826 wurden z.B. für ein einstündiges Sole-Einzelbad vier Silbergroschen genommen. Es soll ein "unter der Hand" Geschäft für Freunde und Bekannte eines Angestellten der Saline gewesen sein. Es war ein reines Zweckerlebnis.
Es trug aber indirekt dazu bei, dass Sole, im Holzzuber auf den Körper einwirken zu lassen, diese zur Linderung von bestimmten Schmerzen als Heilmittel bekannt zu machen.

Bereits zur Mitte des 19.Jahrhunderts konnten nun auch Bedienstete der Saline diese Badestube kostenlos nutzen. Hervorzuheben ist hier, dass Bad Sooden-Allendorf somit zu den ältesten Solebädern des Landes Hessen gehört.

Um 1880 wurde ein zweites, noch grösseres Siedehaus gebaut. Die Siedepfanne hatte nun eine Fläche von 187 qm und war zu dieser Zeit wieder Deutschlands grösste Siedepfanne. Sie stand dort, wo heute das Kurtheater steht.

Das (die) Reservoir(e) wurde(n) auf einer Gesamtfläche von ca. 3000 qm überdacht. Nur so konnte die mühevoll gradierte Gutsole vor Regen geschützt werden, um nicht wieder zu verdünnen.

Mit der Schliessung des Salzwerkes um 1906 verlor auch das Reservoir mit dem Gradierwerk seine Bedeutung.

Zu dieser Zeit etwa wurde neben den auch schon vorhandenen Wandelgängen im Gradierwerkumfeld ein Salz-Luftbad für Männer eingerichtet; das war um 1913. Bei sportlich körperlicher Tätigkeit an Geräten sollte so mehr solehaltige Luft inhaliert werden.
Im Jahre 1910 berichtete bereits eine Kurzeitung über diesen kleinen Badebetrieb; vermutlich, weil sich auch Angehörige der "kaiserlichen Familie" in Sooden aufgehalten haben.
Leider wurde dieses Luftbad 1927 wieder abgerissen; abgerissen wurde auch das zugehörige Gradierwerk.

SteinlagerDieses Bild zeigt ein Original-Steinlager (Stirnseite) worin der Teil eines Pumpgestänges gelagert war [1]. Dieses Steinlager steht im Kurpark zur Schau. Im Hintergrund ist der Nachbau (Verein für Heimatkunde-BSA) eines Siedekotes zu sehen.
1) - Pump-Gestänge.
Die mit dem Wasserrad verbundene Kolbenstange war hier mit einem senkrecht stehenden Balken verbunden an welchem oben ein grosser beweglicher Kasten-Behälter hing. Dieser Kasten wurde mit Steinen gefüllt und erleichterte bei der Hin- und Herbewegung über den Nullpunkt damit den Wirkungsgrad von Wasserrad und Kolbenstange.
(Wir bemühen uns um eine Skizze)

E n d e Teil-I

Fortsetzung Teil-II

© Helmut Schulte (Autor + webmaster)
Marianne Schulte (Co-Autor + Lektor)

© 1996-2011  «»  http://bsa.old-schulte.de/

Letzte Änderung: 28/03/2011 - 16:25 Uhr